Peter Wieser und Peter Pfeifer auf ihrer Streetwork-Runde: Aufsuchende Soziale Arbeit im öffentlichen Raum ist ein Grundauftrag des Caritas Cafés.

„Wertschätzend, akzeptierend, aufsuchend“ – Caritas Streetwork hilft den Unsichtbaren

Auch wenn es eine unbequeme Wahrheit ist: In Vorarlberg leben Menschen im Freien oder verbringen den Tag auf der Straße. Peter Wieser und Peter Pfeifer vom Caritas Café suchen suchtkranke, obdachlose und armutsbetroffene Menschen im öffentlichen Raum auf. Diese Menschen zeigen, wo Notlagen sind, aber auch wie Hilfe möglich ist.
 

Feldkirch, Wohlwendstraße, in unmittelbarer Bahnhofsnähe. Es ist 8.30 Uhr in der Früh und das Caritas Café hat gerade seine Türen geöffnet. Rund zwei Dutzend Frauen und Männer freuen sich auf einen Tee oder Kaffee, ein Frühstück und die Möglichkeit eines Gesprächs. „Peter, hosch mr ned a neue Hosa. Die minige ist higanga.“ Klar, das Team des Caritas Cafés hat Kleiderspenden für ihre Klient*innen gelagert, eine Jeans in der richtigen Größe kann schnell gefunden werden. Die Grundversorgung der Klient*innen – Aufenthaltsraum, Mittagessen, Hygiene, Post- und Meldeadresse – ist ein wesentlicher „Ankerpunkt“ im Caritas Café. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, im Beschäftigungsprojekt und im Kochprojekt mitzuarbeiten. Drogenkonsument*innen haben hier auch die Möglichkeit, Spritzen zu tauschen und sich über Substanzen und Safer Use Themen beraten zu lassen. Rund 80 Menschen suchen momentan täglich das Caritas Café auf und schätzen gerade in der kalten Jahreszeit den warmen und geschützten Raum.

Wertschätzend, akzeptierend, aufsuchend …
Nun machen sich die beiden Mitarbeiter Peter Wieserund Peter Pfeifer auf zur ersten Streetwork-Runde des Tages. Aufsuchende Soziale Arbeit im öffentlichen Raum ist ein Grundauftrag des Caritas Café und auch mit der Stadt Feldkirch sowie dem Land Vorarlberg vereinbart. Sehr eng und gut arbeitet das Caritas Café hier auch mit den zuständigen Stellen in der Stadtverwaltung, mit der Exekutive, der ÖBB und anderen Systempartner*innen zusammen. Schnell wird klar: Die obdachlosen Menschen schlafen an Orten, die man im Vorbeigehen nicht sieht. „Die Menschen suchen sich normalerweise Unterschlupf an Orten, wo sie möglichst niemanden stören“, beschreibt Peter Wieser. Oft sind Scham und psychische Erkrankungen Gründe dafür, wenn obdachlose Menschen beispielsweise die Angebote der Notschlafstellen im Land nicht in Anspruch nehmen. Wie viele Menschen in Vorarlberg keine Wohnmöglichkeit haben, ist nur schwer zu schätzen. „Gerade bei Frauen ist die versteckte Wohnungslosigkeit weit verbreitet. Sie kommen zwar bei Bekannten zeitweise unter, sehr oft ist dies aber mit erwarteten sexuellen Gegenleistungen verbunden“, erklärt Peter Pfeifer. 

„Wertschätzend, akzeptierend, aufsuchend …“ lautet der Grundsatz der Sozialarbeiter*innen. Streetwork bedeutet aber manchmal auch, die Rettung zu organisieren, wenn ein medizinischer Notfall dies erfordert. „Auf unseren Runden haben wir schließlich auch ein Auge auf Utensilien, die beim Drogenkonsum liegengelassen wurden – wir nehmen diese mit und entsorgen sie fachgerecht“, erklärt Peter Wieser. 

Vertrauen als Basis
„Das Wichtigste an unserer Arbeit ist der Beziehungsaufbau. Es geht darum, Vertrauen zu schaffen“, erzählt Peter Pfeifer. Vertrauen, dass sich spätestens bei Konfliktsituationen bewährt. „Die Menschen sollen spüren, dass wir da sind, wenn sie Hilfe brauchen.“ Die Arbeit mit den Klient*innen des Caritas Cafés ist eine auf Augenhöhe: „Ich muss nicht alles gutheißen, was sie machen, aber ich nehme sie so an, wie sie sind. Gleichzeitig ist es wichtig, die Klient*innen darauf hinzuweisen, welches Verhalten sich die Bevölkerung erwartet, damit sie auch mit ihrer Lebensweise akzeptiert werden können.so Peter Pfeifer. „Unsere Klient*innen sind meist herzensgute Menschen, denen irgendwann im Leben etwas passiert ist, mit dem sie nicht klarkommen“, beschreibt der Caritas-Mitarbeiter, dass er keinen anderen Job haben möchte. „Es sind so viele pure Emotionen spürbar!“

Wie helfen?
Bleibt die Frage, wie die Bevölkerung reagieren soll, wenn sie obdachlose Menschen sieht: „Einfach so, wie sich das jeder für sich selbst wünschen würde: Wenn jemand am Boden liegt und ich vermute, dass er/sie Hilfe braucht, einfach nachfragen, ob alles ok ist und wenn nicht, bitte die Rettung oder Polizei informieren. Wir sind auch froh, wenn uns Beobachtungen gemeldet werden, wenn jemand Plätze sieht, wo obdachlose Menschen leben. Dann können wir sie aufsuchen und auf unsere Angebote hinweisen“, so Peter Wieser abschließend.

Kontakt:
Caritas Café, Wohlwendstraße 1, Feldkirch
T. 05522/200-1570
E. cafe(at)caritas.at

Spendenmöglichkeit:
Caritas der Diözese Feldkirch
Raiffeisenbank Feldkirch
IBAN: AT32 3742 2000 0004 0006
BIC: RVVGAT2B422
Verwendungszweck: Caritas Café