Bischof Ägidius J. Zsifovics, Rosi Moll, Caritas Direktorin Melanie Balaskovics (v.l.n.r.) © Caritas Burgenland

Armut im Burgenland: Weil es auch Ihre Nachbarin ist

336.000 Menschen in Österreich lebten 2024 in absoluter Armut.
Im Burgenland gelten 29.000 Personen als armutsgefährdet - das ist jede/r 10 Burgenländer*in. Während in den Großstädten Armut wieder sichtbarer wird, bleibt diese in den ländlichen Regionen noch versteckt und meist in den eigenen vier Wänden. „Die Betroffenen tun alles, damit niemand merkt, wie hart ihr Alltag ist. Zu groß ist nach wie vor die Scham“, macht Caritas Direktorin Melanie Balaskovics auf die aktuelle Situation aufmerksam.


Frauen besonders betroffen

Besonders von Armut betroffen sind Frauen. Rund ein Drittel der alleinerziehenden Mütter lebt unter der Armutsgefährdungsschwelle. Für alleinlebende Frauen in der Pension ist das Risiko, in Armut abzurutschen im Vorjahr von 28 Prozent auf 32 Prozent gestiegen. Frauen sind auch gefährdeter, wenn sie nicht allein leben: Eine von der Caritas in Auftrag gegebene Studie von Katrin Gasior www.caritas.at/studie-versteckte-armut macht deutlich, dass jede dritte nicht allein-lebende Frau in Österreich ohne ein weiteres Einkommen im Haushalt einem hohen Armutsgefährdungsrisiko ausgesetzt ist. 

Zwei Drittel der Hilfesuchenden sind weiblich 

„Ein Umstand, der auch in den Caritas Sozialberatungsstellen zu beobachten ist. Zwischen 1. Jänner und 20.11.2025 haben insgesamt 882 Hilfesuchende die Sozialberatungsstellen in Eisenstadt, Neusiedl, Oberwart und Güssing aufgesucht. Zwei Drittel aller Hilfesuchenden sind Frauen“, betont Balaskovics. 
Dass sich Armut verfestigt, zeigt sich vor allem bei der Ausgabe der Carla- und Lebensmittelgutscheine. „Wurden 2024 von Jänner bis November Gutscheine im Wert von 44.211 Euro ausgegeben, so sind es heuer bereits 62.200 Euro gewesen, das sind fast 18.000 Euro mehr! 

Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir: Die hohen Kosten für Energie, Wohnen und Lebensmittel bringen die Menschen weiterhin an den Rand ihres finanziell Möglichen und leider auch oft darüber hinaus. War früher das Geld am Ende des Monats knapp, so gibt es jetzt schon am Monatsanfang massive finanzielle Probleme. Vor allem die hohen Energiekosten machen den Betroffenen zu schaffen.“  

„Hatte kein Geld mehr für Holz zum Heizen.“

Ihr Leben lang hat Rosi Moll gearbeitet, teilweise war sie mit drei Jobs gleichzeitig beschäftigt, damit sie ihre Familie über Wasser halten kann. Doch als sie ihr Mann nach 20 gemeinsamen Jahren verlassen hatte, nahm das traurige Schicksal seinen Lauf. Sie verlor ihre Wohnung und musste mit ihrer Tochter in eine kleine und desolate Wohnung umziehen. Ihr Zuhause konnte sie sich nicht mehr leisten. Dort war die Heizung defekt – es gab nur einen kleinen Holzofen. „Ich habe mir immer eingeredet, dass ich das irgendwie schaffen werde. Bis dann der Moment kam, an dem ich unsere Wohnung nicht mehr heizen konnte. Ich hatte kein Geld mehr für Holz.“ In der Caritas Sozialberatungsstelle in Eisenstadt bekam sie die dringend nötige Unterstützung. 

Bitte helfen Sie helfen! 

Bischof Ägidius J. Zsifovics: „In der Kirche gedenken wir in den Monaten November und Dezember, den Heiligen der Nächstenliebe – unseren Landes- und Diözesanpatron, den heiligen Martin, die Patronin der Caritas, die heilige Elisabeth und den Helfer und Fürsprecher der Armen, den heiligen Nikolaus. Auch Papst Franziskus hat mit dem Welttag der Armut eine Initiative gesetzt, die den Blick auf die Armut in der Welt, aber auch ganz konkret bei uns im Burgenland richtet. 

Ich kann die Worte von Caritas Direktorin Balaskovics nur untersützten, denn was ich bei meinen Pfarrvisitationen immer wieder erlebe ist, dass Armut mit Scham behaftet ist und deshalb versteckt wird. Danke, dass Frau Moll hier den Mut aufbringt und hier über ihre Lage berichtet. 

Die Caritas ist jener der Arm der Kirche, der hinschaut, der hingreift und hilft. Wir reichen ihnen die Hand und helfen ihnen auf, damit die Betroffenen den Weg wieder weitergehen können. Danke an die Mitarbeiter*innen der Caritas und aller anderen Hilfsorganisationen, die hier helfen. Die Caritas wird hier in Zukunft noch genauer hinschauen müssen, da die Herausforderungen nicht geringer werden. Ich möchte zudem den Apell der Caritas Direktorin an die Politik unterstützen und alle Verantwortungsträger*innen bitten, nicht auf die Betroffenen zu vergessen. Bitte helfen Sie helfen!“ 

Es braucht mehr Hilfe 

„Für uns als Caritas ist klar: Dort wo die Gefahr der Armut steigt, braucht es mehr Hilfe. Als Caritas sind wir für Menschen in Not da und helfen dort, wo Hilfe am Dringendsten gebraucht wird. Von Seiten der öffentlichen Hand im Burgenland wäre eine Einführung eines Sozialtarifs für Strom- und Energiekosten eine Erleichterung für armutsgefährdete Menschen.“  

„Wir dürfen und wollen uns nicht daran gewöhnen, dass Armut in Österreich zum Alltag gehört. Dass wir Menschen auf der Straße sehen, die nach Pfandflaschen suchen, damit sie sich ein paar Euro für Essen zusammenkratzen können“, appellieren Caritas Direktorin Balaskovics und Bischof Zsifovics abschließend. Weil es Ihre Nachbarin ist, die sich kein Essen leisten kann. Weil es ihre Nachbarin ist, die kein Geld für Strom hat.“

Caritas hilft Burgenländer*innen in Not mit breitem Angebot 

Die Caritas greift Menschen in akuten Notsituationen rasch unter die Arme und unterstützt armutsbetroffene Menschen mit einem breiten Hilfsangebot, das auch spezielle Angebote für armutsbetroffene Frauen und deren Kinder beinhaltet.  

Fachexpert*innen für unterschiedliche Krisen- und Notsituationen stehen in Not geratenen Menschen mit einem offenen Ohr und begleitend zur Seite – sei es in der Sozialberatung, der Nothilfe und Wohnungssicherung für Menschen in existentiellen Notsituationen, oder in der Familienberatung.