Am 30. September 2025 fand in den Räumlichkeiten der aks Ernährungsberatung und Diättherapie Bregenz eine Intervision mit Schwerpunkt auf der Rolle der Ernährungsberatung in der Behandlung von Essstörungen statt. Gastgeberinnen waren Maria Magdalena Wetzinger und Sinem Öztürk, die neben einer Vorstellung ihrer Arbeit auch Einblicke in ihre Praxisräume ermöglichten.
Ernährungsberatung als zentrale Behandlungssäule
Im Rahmen der Diskussion wurde deutlich, dass Ernährungsberatung bei Essstörungen eine tragende Säule im multiprofessionellen Behandlungskonzept darstellt. Sie ist nicht allein auf die Vermittlung von Ernährungswissen beschränkt, sondern umfasst auch die Unterstützung beim Wiedererlernen einer regulierten Essstruktur, die Begleitung in der Normalisierung des Ernährungsverhaltens sowie die Entlastung im Umgang mit essensbezogenen Ängsten. Dadurch übernimmt Ernährungsberatung sowohl eine therapeutisch-begleitende als auch eine gesundheitsfördernde Funktion.
Multidisziplinäre Behandlung als Erfolgsfaktor
Essstörungen gelten als multifaktorielle Erkrankungen, die sowohl psychische, somatische als auch soziale Dimensionen betreffen. Entsprechend ist ihre Behandlung nur im Rahmen einer multidisziplinären Zusammenarbeit wirksam. Neben Ernährungsberater:innen sind Psychotherapeut:innen, Ärzt:innen, sowie Sozialarbeiter:innen involviert. Entscheidend ist hierbei nicht allein das Vorhandensein verschiedener Professionen, sondern deren enge Abstimmung und Kommunikation – ein Aspekt, der in der Intervision mehrfach betont wurde sich in der Praxis jedoch oft schwer umsetzen lässt. Dies ist unter anderem strukturellen Rahmenbedingungen sowie Hürden in Bezug auf die fehlende Kostenübernahme geschuldet.
Bedeutung einrichtungsübergreifender Kooperation
Ein weiterer Schwerpunkt der Intervision war die einrichtungsübergreifende Zusammenarbeit. Essstörungen erfordern oft längere Behandlungsverläufe, die verschiedene Versorgungsstufen (ambulant, stationär, teilstationär, freiberuflich) einschließen. Ohne eine klare Abstimmung entstehen Versorgungslücken oder Brüche in der Betreuung. Die gemeinsame Diskussion machte deutlich, dass eine systematische Schnittstellenoptimierung zwischen Institutionen wie Caritas, ifs, LKHs, freiberuflicher Praxis und spezialisierten Beratungsstellen einen zentralen Beitrag zur Versorgungsqualität leistet. Kontinuität in der Betreuung, abgestimmte Behandlungsziele und transparente Kommunikation sind hier Schlüsselprinzipien.
Zusammensetzung der Teilnehmenden
An der Intervision nahmen Vertreterinnen unterschiedlicher Einrichtungen teil:
- Die Psychotherapeutin Lydia Eisinger der Suchtfachstelle Bregenz sowie die Koordinatorin der Take care Fachstelle für Essstörungen Carmen Drexler
- ifs (vertreten durch Alexandra Ghetta)
- zwei freiberuflich tätige Diätologinnen
- eine Diätologin eines Landeskrankenhauses
- die Gastgeberinnen der aks Ernährungsberatung und Diättherapie
Diese Zusammensetzung spiegelte die Vielfalt der Versorgungslandschaft wider und bot die Grundlage für einen intensiven, praxisnahen und gleichzeitig theoriegestützten Austausch.
Fazit
Die Intervision verdeutlichte einmal mehr die Relevanz der Ernährungsberatung als Bestandteil einer umfassenden Behandlung von Essstörungen. Sie zeigte zudem, dass multidisziplinäre Teams und institutionenübergreifende Kooperationen nicht nur wünschenswert, sondern notwendig sind, um Patient:innen nachhaltig zu unterstützen. Die Gespräche lieferten wertvolle Impulse für die Optimierung von Schnittstellen und stärkten das gemeinsame Verständnis einer ganzheitlichen Versorgungspraxis.
Ein besonderer Dank gilt den Gastgeberinnen der aks für die fachlichen Einblick sowie die Ermöglichung dieses bereichernden Austausches.
Die Fachstelle der Caritas Vorarlberg wird bald die Intervisionstermine für das Jahr 2026 fixieren und veröffentlichen und freut sich auf weitere bereichernde Vernetzungsmöglichkeiten.