Lisa Holler ist als Sozialpädagogin im Familienhaus St. Michael in Feldkirch tätig. Sie begleitet Familien in schwierigen Lebenssituationen und hilft Eltern, wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen.
Wenn eine Mutter plötzlich selbst erkennt, was ihrem Kind guttut, oder ein Kind besser lernt, mit seinen Gefühlen umzugehen, sind das für Lisa Holler besondere Momente. Kürzlich erzählte ihr eine Mutter, dass sie einen ihrer Tipps beim Mittagessen umgesetzt hatte. Sie hatte ihren kleinen Sohn positiv bestärkt und der Junge hatte seit langem wieder einmal ohne Wutausbrüche seine Nudeln gegessen. Für die Caritas-Mitarbeiterin ist das eine wertvolle Erfahrung: „Die Mutter hat etwas Neues ausprobiert und erlebt, dass sie selbst einen großen Unterschied machen kann“, freut sie sich.
Die 26-Jährige arbeitet seit März im Familienhaus St. Michael in Feldkirch. Dort finden Eltern mit ihren Kindern einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen und neue Perspektiven entwickeln können. „Für manche Familien ist die Zeit bei uns eine wichtige Chance, dass ihre Kinder bei ihnen bleiben können“, verdeutlicht sie.
Die Gründe, warum Familien Unterstützung benötigen, sind vielfältig: Finanzielle Schwierigkeiten, psychische Erkrankungen, Schicksalsschläge oder belastende Erfahrungen können den Familienalltag erschweren. „Manche Eltern haben selbst nie erlebt, wie man Kindern Geborgenheit und Orientierung vermitteln kann“, sagt Lisa Holler.
Kleine Veränderungen, die viel bewirken
In solchen Situationen gehe es zunächst darum zuzuhören. „Die Eltern müssen spüren, dass ihnen jemand ohne Vorurteile begegnet und sie so annimmt, wie sie sind. Gemeinsam arbeiten wir daran, ihre Situation Schritt für Schritt zu verbessern.“ Die Familien werden von einem interdisziplinären Team begleitet. So können unterschiedliche fachliche Perspektiven in die Unterstützung einfließen.
Gemeinsam mit den Müttern oder Vätern geht Lisa Holler der Frage nach, was hinter dem Verhalten ihrer Kinder steckt, und entwickelt alltagstaugliche Lösungen. Oft seien es kleine Veränderungen, die viel bewirken: klare Routinen, rechtzeitig angekündigte Übergänge oder kurze und verständliche Sätze in angespannten Situationen. „Kinder brauchen Orientierung. Wenn Eltern verstehen, was ihr Kind in einem Moment braucht, entsteht mehr Ruhe für alle Beteiligten“, sagt die Sozialpädagogin. Gleichzeitig gewinnen die Eltern an Sicherheit. „Mir ist wichtig, dass Eltern wieder an sich selbst glauben“, betont Lisa Holler.
Frühzeitig Hilfe suchen
Dass sie einmal Sozialpädagogin werden würde, stand nicht von Anfang an fest. „Ich hatte viele Berufswünsche, von Köchin über Lehrerin bis zu Designerin“, erzählt sie. Nach einem längeren Auslandsaufenthalt entschied sie sich für das Kolleg für Sozialpädagogik in Wien. Von Anfang an war sie überzeugt: „In diesem Beruf kann ich am meisten bewirken“.
In ihrer Ausbildung hat Lisa Holler Strategien entwickelt, um Berufliches und Privates voneinander abzugrenzen. Ganz los lassen sie die Schicksale dennoch nicht. „Manche wurden durch schwierige Lebensumstände aus der Bahn geworfen“, erzählt sie, „wenn es einem Vater oder einer Mutter nicht gut geht, geht mir das natürlich nahe.“ Umso mehr freut sie sich, wenn Familien später zurückkommen und berichten, wie positiv sich ihr Leben entwickelt hat.
„Ein Alltag, der funktioniert, ist nicht selbstverständlich“, sagt sie. Deshalb möchte sie Eltern ermutigen, frühzeitig Hilfe anzunehmen. „Für Familien gibt es viele Unterstützungsangebote. Wichtig ist es, die passende Hilfe zu finden und nicht aufzugeben.“ Genau darin sieht Lisa Holler ihre Aufgabe: Eltern zu stärken und ihnen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu geben.