Seit 20 Jahren unterstützt das Netzwerk Wohnungssicherung Innviertel Menschen, die vom Verlust ihrer Wohnung bedroht sind. Das von der Caritas OÖ getragene und vom Land OÖ finanzierte Angebot ist mit Beratungsstellen in Braunau, Ried und Schärding in allen drei Innviertler Bezirken vertreten. Seit dem Start 2006 wurden hochgerechnet rund 4.700 Haushalte in existenziellen Wohnkrisen begleitet.
„Ein Zuhause ist mehr als nur vier Wände – es gibt Menschen Sicherheit und Halt. Deshalb helfen wir, bevor es zu spät ist und der Wohnungsverlust ins Haus steht. Oberösterreich hat ein dichtes soziales Netz und 2006 als erstes Bundesland die Delogierungsprävention gesetzlich verankert. 20 Jahre später zeigt sich, dass dieser Weg richtig war: In acht von zehn Fällen konnte verhindert werden, dass Menschen ihr Zuhause verlieren“, sagt Sozial-Landesrat Dr. Christian Dörfel.
Mit der COVID-19-Pandemie, der folgenden Teuerung sowie den stark gestiegenen Energie- und Wohnkosten hat sich die Zahl der Menschen, die Unterstützung benötigen, deutlich erhöht. Auch die Gründe für drohenden Wohnungsverlust haben sich verändert: Zu persönlichen Krisen wie Trennung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit kommen verstärkt hohe Wohn-, Energie- und Lebenshaltungskosten. Dadurch suchen zunehmend auch Menschen Unterstützung, die trotz Erwerbstätigkeit finanziell kaum über die Runden kommen. Besonders gefährdet sind zudem Alleinerzieher*innen und ältere Menschen mit kleinen Pensionen.
„Der Wohnungslosigkeit geht oft eine lange Zeit finanzieller Not voraus. Die wirksamste Wohnungslosenhilfe setzt deshalb an, bevor Menschen ihre Wohnung verlieren“, sagt Mag.a Marion Huber, Vorstandsmitglied der Caritas OÖ. Die Caritas-Mitarbeiter*innen klären gemeinsam mit den Betroffenen die finanzielle und persönliche Situation, unterstützen bei Mietrückständen, vermitteln finanzielle Hilfen und suchen gemeinsam mit Vermieter*innen und anderen Stellen nach Lösungen. Ergänzt wird die Delogierungsprävention durch Programme wie WOHNSCHIRM Miete und Energie sowie Housing First. Doch nicht jeder Wohnungsverlust kann verhindert werden. Für Menschen, die akut obdachlos werden, gibt es mit dem Notquartier Innviertel in Braunau ein weiteres wichtiges Auffangnetz. Seit 2014 ist die Caritas OÖ mit Unterstützung des Landes OÖ Trägerin des Notquartiers.
Leistbarer Wohnraum bleibt zentrale Herausforderung
Die Möglichkeiten der Wohnungssicherung stoßen dort an Grenzen, wo geeigneter leistbarer Wohnraum fehlt. In den Bezirksstädten Braunau, Ried und Schärding gibt es geförderten Genossenschaftswohnbau, doch der Bedarf ist hoch. Auf dem privaten Mietmarkt erschweren Kautionen und hohe laufende Wohnkosten die Wohnungssuche zusätzlich. Die Beratungspraxis zeigt darüber hinaus, dass Menschen in schwierigen sozialen Lebenssituationen bei der Wohnungssuche teilweise nur schwer Zugang zu geeignetem Wohnraum finden. Ihnen werden lediglich ältere Wohnungen mit niedrigem Standard und hohen Betriebskosten angeboten, die finanziell auch oft keine nachhaltige Lösung darstellen.
Im ländlichen Raum kommt die Mobilität hinzu: Eine günstigere Wohnung kann sich als finanziell wenig tragfähig erweisen, wenn für den Arbeitsweg mangels öffentlicher Verkehrsverbindungen ein eigenes Auto notwendig ist. Gleichzeitig steigt der Bedarf an leistbaren barrierefreien Wohnungen für ältere Menschen und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen.