Ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen stehen Menschen in ihrer letzten Lebensphase bei.
In ihrer Tasche trägt Klara Breuss immer einige besondere Dinge mit sich: kleine Glücksbringer, handgefertigte Tiere, Bücher und Taschentücher mit aufgedruckten Herzchen. Besonders gerne nimmt die 79-Jährige das Bilderbuch „Das Märchen vom Löwenzahn“ mit zu ihren Besuchen. Die Geschichte über Verwandlung, Abschied und Neubeginn öffnet oft die Tür zu Gesprächen über das Leben, das Loslassen und das Sterben. Mit ihrer warmherzigen Art begleitet Klara Breuss Menschen in schwierigen Lebenssituationen und schenkt ihnen etwas sehr Wertvolles: Zeit, Aufmerksamkeit und menschliche Nähe.
Seit vielen Jahren engagiert sich die gebürtige Altenstädterin ehrenamtlich bei Hospiz Vorarlberg. Erst im vergangenen Jahr absolvierte sie mit fast 80 Jahren die Ausbildung für die Begleitung von Kindern und Jugendlichen. „Oft sind es die kleinen Gesten, die zählen: Vorlesen, ein Gespräch führen, zuhören oder einfach eine Hand reichen“, erzählt Klara Breuss.
36.000 Stunden Menschlichkeit
Rund 260 Frauen und Männer sind derzeit als ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen tätig. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr von ihnen rund 36.000 Stunden ehrenamtlich geleistet. Sie begleiten Menschen mit einer lebensbedrohlichen oder lebensverkürzenden Krankheit zuhause, im Krankenhaus sowie in den Pflegeheimen, sind auch für Angehörige da und unterstützen in schweren Zeiten der Trauer. „Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielseitig und werden in gemeinsamen Gesprächen individuell abgestimmt“, erklärt Margaritha Matt von Hospiz Vorarlberg.
Um die Ehrenamtlichen bestmöglich auf diese wertvolle Aufgabe vorzubereiten, werden sie in fundierten Kursen geschult. Interessierte sind eingeladen, sich für den nächsten Befähigungskurs zu bewerben. Der Kurs startet im Jänner 2027 und umfasst Unterrichtseinheiten im Umfang von 100 Stunden. Darin werden vielseitige Themen, wie zum Beispiel spirituelle Begleitung, rechtliche Aspekte sowie palliative Medizin und Pflege behandelt. „Auch für die Auseinandersetzung mit persönlichen Erfahrungen in Bezug auf Verlust und Trauer wird es im Kurs Zeit und Raum geben“, so Margaritha Matt. Neben verschiedenen Exkursionen ist auch ein 40-stündiges Praktikum vorgesehen.
Was darüber hinaus gefragt ist, zeigt das Beispiel von Klara Breuss: Offenheit, Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, für andere Menschen da zu sein. Für die Pensionistin hat ihr Engagement bei Hospiz Vorarlberg einen festen Platz in ihrem Leben. Sie bildet sich regelmäßig weiter und erlebt immer wieder, wie wertvoll zwischenmenschliche Nähe in schwierigen Zeiten sein kann. „Es ist ein großes Privileg, Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten zu dürfen“, sagt die 79-Jährige. „Diese Begegnungen bereichern auch mein eigenes Leben.“