Als Freiwillige verbrachte Nora Bönig ein Jahr in Mosambik. Die Zeit im Kinderzentrum und bei ihrer Gastfamilie prägte sie nachhaltig.
Thüringen. Wenn Nora Bönig heute auf ihr Freiwilligenjahr in Mosambik zurückblickt, denkt sie an die Kinder im Centro Esperança und an ihre Gastfamilie, die ihr ein Zuhause auf Zeit wurde. Nach der Matura an der BAfEP Feldkirch wollte die junge Thüringerin bewusst aus ihrer gewohnten Umgebung ausbrechen. „Afrika hat mich schon immer fasziniert“, erzählt sie. Deshalb entschied sie sich für einen internationalen Freiwilligeneinsatz in Mosambik. Von Oktober 2024 bis September 2025 lebte und arbeitete sie dort.
Die ersten Wochen verbrachte sie in der Hauptstadt Maputo, wo sie Portugiesisch lernte. Anschließend zog sie nach Namaacha, einer Kleinstadt rund 75 Kilometer südwestlich von Maputo. Im Centro Esperança – auf Deutsch „Zentrum Hoffnung“ – arbeitete sie mit Missionsschwestern vom Kostbaren Blut zusammen. Dort werden Waisen und Kinder aus benachteiligten Familien betreut. Im Tageszentrum bekommen sie eine warme Mahlzeit, Hilfe bei den Hausaufgaben und einen geschützten Ort. „Für viele Kinder war es wie ein zweites Zuhause“, sagt Nora Bönig. „Mir war wichtig, dass sie auch Zeit zum Spielen haben. Zu Hause mussten viele schon früh Verantwortung übernehmen. Im Zentrum konnten sie einfach Kinder sein.“
Wenn jemand an einen glaubt
Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr zwei Jungen. Mit 13 und 14 Jahren konnten sie kaum lesen und schreiben. „Viele haben gesagt, die können das halt nicht. Aber ich wollte sie nicht abstempeln“, erzählt sie. Gemeinsam übten sie Buchstaben, Wörter und einfache Sätze. Schritt für Schritt wuchs das Selbstvertrauen der Jugendlichen. Kurz vor ihrer Abreise erlebte sie einen Moment, der ihr bis heute nahegeht: Einer der beiden las ihr aus einem Bilderbuch vor. „Das hat mich unglaublich berührt. Zu sehen, wie stolz und neugierig er war.“
Leben unter anderen Bedingungen
Auch außerhalb des Tageszentrums lernte Nora Bönig eine Welt kennen, die mit ihrem Alltag in Vorarlberg wenig gemeinsam hatte. Sie lebte bei einer Gastfamilie mit acht Gastgeschwistern. Fließendes Wasser gab es nicht, gekocht wurde über offenem Feuer, gewaschen von Hand. „Für vieles, was bei uns selbstverständlich ist, braucht man dort unglaublich viel Zeit und Kraft“, erinnert sie sich. Gleichzeitig beeindruckte sie die Widerstandskraft der Menschen. Aus der Gastfamilie wurde im Laufe der Monate eine Familie auf Zeit. Gemeinsam mit ihren Gastgeschwistern teilte sie den Alltag und erhielt einen tiefen Einblick in ihre Lebenswelt. Vor allem zu ihren beiden ältesten Gastbrüdern entstand eine enge Verbindung. „Wir haben viel Freizeit gemeinsam verbracht. Noch immer telefonieren wir regelmäßig miteinander.“
Rückkehr nach Vorarlberg
Die Rückkehr nach Vorarlberg fiel ihr fast schwerer als der Aufbruch nach Afrika. „Natürlich freute ich mich auf Vertrautes, auf Privatsphäre, fließendes Wasser und einen geregelten Alltag“, so die 21-jährige. Gleichzeitig brauchte sie Zeit, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten. „Von Armut zu hören ist das eine. Mit Menschen zu leben, die jeden Tag damit umgehen müssen, verändert die eigene Perspektive.“
Noch heute denkt sie oft an ihre Gastgeschwister und die Kinder im Centro Esperança. Die Begegnungen haben ihr Bewusstsein für Chancen und die Bedeutung von Bildung geschärft. Wie ihre Zukunft aussehen wird, lässt sie offen. Eines weiß sie aber: „Ich würde sehr gerne wieder nach Mosambik gehen.“
Hoffnung auf Zukunft
Mosambik ist ein Partnerland der Caritas Vorarlberg, das Tageszentrum wird auch mit Spenden von Vorarlberger*innen unterstützt. Nora Bönig hat dort erlebt, wie viel diese Unterstützung bewirken kann. Für viele Kinder bedeutet das Zentrum mehr als eine tägliche Mahlzeit – es ist ein Ort der Sicherheit, der Gemeinschaft und der Hoffnung. „Für die Kinder macht es einen enormen Unterschied, ob jemand an sie glaubt und sie begleitet“, sagt sie. Für Nora Bönig ist klar: „Hilfe kann nicht alle Probleme lösen, aber sie schafft Chancen, eröffnet Perspektiven und verändert Leben.“