Eine Frau mit Schulterlangen braunen Haaren, einem Sakko und T-Shirt im Portrait

Zum Weltflüchtlingstag sagt Caritas Vorstandsmitglied Marion Huber ganz klare Worte: „Europa darf seine Verantwortung für den Schutz von Menschen auf der Flucht nicht auslagern.“ © U. Engleder

„Solidarität statt Ausgrenzung und Schutz statt Abschreckung“

Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni 2026 rufen Volkshilfe OÖ, Caritas OÖ und der Verein migrare zu Solidarität mit Menschen auf der Flucht auf und fordern eine europäische und nationale Flüchtlingspolitik, die sich konsequent an Menschenrechten orientiert.

Angesichts zunehmender Abschottungstendenzen und geplanter Verschärfungen im Asylbereich warnen die drei Organisationen vor einer schleichenden Aushöhlung des Asylrechts und appellieren an politische Entscheidungsträger*innen, ihren menschenrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen.

Weltweit seien Millionen Menschen gezwungen, vor Krieg, Verfolgung, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und den Folgen von Krisen zu fliehen. Hinter jeder Flucht stehe ein individuelles Schicksal, verbunden mit dem Wunsch nach Sicherheit, Schutz und einer menschenwürdigen Zukunft. „Der Weltflüchtlingstag erinnert daran, dass Schutzsuchende nicht als Bedrohung, sondern als Menschen mit Rechten wahrgenommen werden müssen. Solidarität mit Geflüchteten bedeutet, Menschenrechte nicht von Herkunft, Status oder politischen Stimmungen abhängig zu machen. Wer Schutz sucht, hat Anspruch auf ein faires Verfahren und menschenwürdige Behandlung“, betont Ekber Gercek, Bereichsleiter bei der Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung GmbH.

Zugang zu fairen Asylverfahren gefordert

Die drei Organisationen fordern daher flächendeckend menschenrechtsbasierte Lösungen in der europäischen Flüchtlingspolitik. Dazu gehören insbesondere der Zugang zu fairen und rechtsstaatlichen Asylverfahren, menschenwürdige Aufnahmebedingungen sowie die Schaffung sicherer und legaler Fluchtwege. Humanitäre Aufnahmeprogramme, Resettlement-Maßnahmen,

Familienzusammenführungen und humanitäre Visa könnten dazu beitragen, gefährliche Fluchtrouten zu vermeiden und Menschenleben zu retten.

Mit Sorge beobachten Volkshilfe, Caritas und migrare die Diskussionen und Planungen auf EU-Ebene, Asylverfahren und Abschiebungen verstärkt in Drittstaaten auszulagern. Die geplanten Abschiebezentren außerhalb der Europäischen Union stehen aus Sicht der NGOs für eine weitere Verschärfung des Asylsystems und bergen erhebliche menschenrechtliche Risiken.

Verantwortung nicht auslagern

„Die Auslagerung von Asylverfahren und Schutzverantwortung in Drittstaaten birgt die Gefahr, dass zentrale rechtsstaatliche Garantien aus dem Blick geraten. Europa darf seine Verantwortung für den Schutz von Menschen auf der Flucht nicht auslagern. Erfahrungen mit vergleichbaren Modellen zeigen, wie schwer es ist, Transparenz, wirksamen Rechtsschutz und die Einhaltung menschenrechtlicher Standards dauerhaft sicherzustellen“, betont Caritas-Vorständin Marion Huber.

Die Organisationen erinnern zudem an die weiterhin lebensgefährlichen Fluchtrouten über das Mittelmeer, durch Wüstenregionen und entlang geschlossener Außengrenzen. „Tausende Menschen verlieren jedes Jahr auf der Suche nach Schutz ihr Leben oder werden Opfer von Gewalt, Ausbeutung und Menschenhandel. Abschreckungspolitik beendet Flucht nicht, sie macht Flucht lediglich gefährlicher“, erklärt migrare-Geschäftsführer Mümtaz Karakurt.

Für Solidarität statt Ausgrenzung

Die NGOs fordern die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten auf, die Verpflichtungen aus der Genfer Flüchtlingskonvention, der Europäischen Menschenrechtskonvention und weiteren internationalen Menschenrechtsinstrumenten uneingeschränkt einzuhalten. Das Recht auf Asyl und der Schutz vor Zurückweisung in Verfolgung oder Gefahr sind grundlegende Errungenschaften, die nicht zur Disposition stehen dürfen.

Zum Weltflüchtlingstag 2026 setzen die Organisationen ein klares Zeichen: Für Solidarität statt Ausgrenzung, für Schutz statt Abschreckung und für eine Flüchtlingspolitik, die Menschenwürde und Menschenrechte in den Mittelpunkt stellt.

Zahlen und Fakten:

Die weltweite Fluchtbewegung bleibt eine der größten humanitären Herausforderungen unserer Zeit. Nach aktuellen Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR waren Ende 2025 weltweit 117,8 Millionen Menschen gezwungen, ihre Heimat aufgrund von Krieg, Verfolgung, Gewalt oder schweren Menschenrechtsverletzungen zu verlassen. Darunter befanden sich 42,5 Millionen Flüchtlinge, 67,8 Millionen Binnenvertriebene und 8,4 Millionen Asylsuchende. Damit ist heute etwa jeder 70. Mensch weltweit von Flucht und Vertreibung betroffen.