Seit 25 Jahren begleitet die Caritas-Fachstelle „Take Care“ Menschen mit Essstörungen – und rückt damit ein oft verdrängtes Thema ins Blickfeld. Unter dem Titel „Zwischen Verschwinden und Werden“ zeigt eine Ausstellung fotografische und literarische Arbeiten, die gemeinsam mit ehemals Betroffenen entstanden sind und eindringliche Einblicke in Erfahrungen zwischen Verlust, Veränderung und Neubeginn geben. Zu sehen ist sie noch bis 17. Juni im Feldkircher Theater am Saumarkt.
Der 2. Juni markiert den internationalen Tag der Essstörungen – eine Erkrankung, die häufig lange im Verborgenen bleibt. Gleichzeitig steigt die Zahl jener, die Hilfe suchen, seit Jahren auch in Vorarlberg kontinuierlich an. „Noch immer sind Essstörungen stark tabuisiert, obwohl sie so viele Menschen betreffen“, betont Carmen Drexler, Leiterin der Caritas-Fachstelle „Take Care“. Um Aufmerksamkeit zu schaffen, wurde in der Feldkircher Innenstadt eine Street-Aktion umgesetzt, bei der „Take Care“, die aks gesundheit GmbH, das ifs Institut für Sozialdienste sowie weitere Einrichtungen bei einem gemeinsamen Stand über Krankheitsbilder und Unterstützungsangebote im Land informierten.
Die Sprache der Kunst
Am Abend lud die Fachstelle zur Vernissage im Saumarkt in Feldkirch. Im Zentrum der Ausstellung stehen die Fotografien der Künstlerin Maryna Liapina, die vier ehemals Betroffene von Essstörungen porträtiert hat. Begleitet wurde die Eröffnung musikalisch von Anne Madlener. „Die Sprache der Kunst kann dorthin vordringen, wo Worte oft nicht mehr ausreichen“, sagt Liapina. „Als Außenstehende sehe ich nur die Fassade der Betroffenen. Dahinter liegen Gefühle, Brüche, Geschichten. Mit meiner Arbeit versuche ich sichtbar zu machen, was sie im Inneren bewegt.“ Ausgangspunkt ihrer Serie war die Frage: Was zeigen wir nach außen – und was bleibt dahinter verborgen? Durch das Überblenden von Körpern und Gesichtern verdichtet sie unterschiedliche Zustände und macht die vielschichtigen Facetten einer Essstörung sichtbar.
Ausstellung macht Mut
Ergänzt wird die Ausstellung durch literarische Texte und Briefe von Betroffenen. Sie erzählen von inneren Kämpfen, von Ohnmacht und Hoffnung – und davon, sich selbst nicht aufzugeben. „Die Texte bringen auf berührende Weise die Spannung zwischen Verzweiflung und Zuversicht zum Ausdruck“, sagt Carmen Drexler. „Zwischen Verschwinden und Werden ist kein gerader Weg. Aber die Ausstellung zeigt auch: Veränderung und Heilung sind möglich.“
Besichtigt werden kann die Ausstellung jeweils zu Veranstaltungszeiten des Theater am Saumarkt oder nach vorheriger telefonischer Anmeldung unter 05522/72895. Am Mittwoch, 17. Juni, steht um 18 Uhr das 25-jährige Engagement der Caritas für Betroffene mit Essstörungen auf dem Programm. Auf der Bühne sind dabei neben Landesrätin Martina Rüscher, Caritasdirektor Walter Schmolly und Carmen Drexler auch die beiden Autorinnen Pia Luger und Tina Strohmaier sowie Liedermacherin NNELLA.
Ausstellung „Zwischen Verschwinden und Werden“ Wo: Theater am Saumarkt, Mühletorplatz 1, Feldkirch Besichtigungszeiten zu Veranstaltungszeiten des Theater am Saumarkt oder nach telefonischer Anmeldung: 05522 / 72895. 25 Jahre Caritas Engagement für Betroffene mit Essstörungen Wann: Mittwoch, 17. Juni 2026, 18 Uhr |