„Jeder Mensch hat das Recht zu lieben und geliebt zu werden“: Das ist die zentrale Botschaft, die am 4. Juli beim Sommerfest in Peuerbach von der Theatergruppe KUNST St. Pius und der Jongliergruppe „Hoppala“ vermittelt werden soll. Zwölf Akteur*innen bringen unter der Regie von Andrea Hinterberger, Leiterin der KUNST St. Pius, und Ilona Humer, Leiterin der Jongliergruppe, den Spannungsbogen „Annäherung, Begegnung und die Vielfalt der Liebe“ in ihrem 20-minütigen Programm auf die Bühne. Es ist ihr Beitrag zur communale oö 2026, die unter dem Motto „Mut zur Toleranz – lebm lossn & net gschamig sei“ – steht. Dabei sind nicht nur die Kostüme einzigartig.
Kostüme aus BHs
Zwei Darsteller*innen schlüpfen in Kostüme, die aus lauter Büstenhaltern bestehen. „Es ist eine gewisse Herausforderung, die BHs in unterschiedlichen Farben und Größen zu einem kompakten Gewand zusammenzufügen, das von verschiedenen Personen getragen werden kann“, schildert Hinterberger. Das Know-how bringt sie durch ihre Ausbildung für experimentelles Bekleidungsdesign mit.
Etwa 100 BHs steckt sie zunächst auf einer Schneiderpuppe für eine Bühnenkleidung zusammen. Wo es nötig ist, wird auch genäht. Gut eineinhalb Monate braucht sie, um beide Kostüme – eine bodenlange Variante für eine Frau und eine zweite für einen Mann – zu fertigen. „Das Schöne ist, dass so viele in der Caritas meinem Aufruf gefolgt sind, und die Spenderinnen somit auch irgendwie Teil des Stücks sind“, sagt Hinterberger.
Sprache kommt nur aus dem Off
Wie bei einer Modeschau wird das Ergebnis am Catwalk präsentiert. Dann postieren sich die beiden Darsteller*innen rechts und links der Bühne, während die Jongleur*innen die Handlung des Stücks übernehmen. Auf der Bühne kommen nur Mimik, Gestik, Körper und Requisiten zum Einsatz. Es gibt aber begleitende Worte einer Sprecherin.
Sanfter Start der Handlung
Manchmal beginnt alles mit einem Blick und einer zarten Annäherung – ein Jongleur geht mit einer Rose auf eine Person zu, die auf einer Bank sitzt. Die ersten Schritte der Kontaktaufnahme verlangen oft Sensibilität. Schon in der zweiten Szene geht es um eine symbolische Vermählung zweier Männer – die Vielfalt der Liebe soll zum Ausdruck kommen.
Um Sinnlichkeit, ein positives und offenes Körperbewusstsein und Sexualität als Teil des Menschseins geht es in der nächsten Szene. Jongliert wird mit symbolischen Darstellungen der Geschlechtsunterschiede – mit Softbällen, die Brüsten gleichen, und gehäkelten Penissen in verschiedenen Längen. Die Botschaft: Körper sind vielfältig. Scham darf sich in Stolz verwandeln.“
Sexualität immer noch ein Tabuthema
„Bei Sexualität handelt es sich immer noch um ein Tabuthema, das Angst erzeugt und viele Fragezeichen aufwirft. Brüste und Penisse sollen die Gleichstellung symbolisieren. Keinesfalls geht es um einen feministischen Ansatz“, sagt Andrea Hinterberger: „Bedenken, der Künstler*innen, dass sie ausgelacht werden könnten, begegne ich so: Ihr müsst nur selbstbewusst auftreten, die Szenen sind keinesfalls peinlich.“
Auftritte:
Integra: 10. Juni, 11.30 bis 12 Uhr, Messe Wels, Halle 20, ORF Bühne
Sommerfest „Mut zur Toleranz“
4. Juli ab 16 Uhr Sparkassenplatz, Hauptstraße 26, 4722 Peuerbach