Zwei Frauen sprechen miteinander.

Zwei Jahre lang vor Ort: Theresa Lackner (re.) und ihr Team unterstützten Kindergärten wie das Linzer „Schwalbennest“ mit niederschwelliger Sozialberatung – hier mit Leiterin Sabine Auböck.

Damit Sorgen nicht Schule machen

Zwischen drei und sechs Jahren lernen Kinder nicht nur sprechen, spielen und vertrauen, sondern auch, was finanzielle Probleme mit einem Zuhause machen. Das Projekt MOSAIK setzte in Oberösterreich dort an, wo Hilfe oft noch rechtzeitig kommt.

Es sind kleine Hinweise, die Pädagog*innen aufmerksam machen: ausbleibende Beiträge, fehlende Kleidung, weniger Teilnahme an Zusatzangeboten. Werden diese Zeichen früh erkannt, kann Prävention bald ansetzen – bevor sich Belastungen verfestigen und Kinder darunter leiden.

Genau dieses Ziel hat das Projekt MOSAIK: Beauftragt vom Bundesministerium für Soziales hat es den Auftrag, Kinder- und Jugendarmut vorzubeugen. Zwei Jahre lang begleiteten Mitarbeiterinnen der Caritas neun Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen in Oberösterreich. Sie waren vor Ort, berieten Familien und Pädagog*innen in einer vertraulichen und kostenlosen Sprechstunde und stärkten den Austausch zwischen Eltern. Niederschwellig, ohne Hürden ­­– genau das macht den Unterschied.

Offen über Sorgen reden

Weil wir direkt im Kindergarten sind, fällt es viel leichter, Hilfe anzunehmen“, sagt Projektleiterin Theresa Lackner. In vielen Gesprächen zeigte sich, wie wirksam dieser Zugang ist: etwa bei einer alleinerziehenden Mutter von drei Kindern, die nach Jobverlust und unregelmäßigen Unterhaltszahlungen in finanzielle Not geriet. Oft versuchen die Familien, nach außen den Schein aufrechtzuerhalten. „In der Beratung wirkte sie dann wirklich erleichtert, offen über ihre Belastungen sprechen zu können“, erinnert sich eine Sozialarbeiterin im Projekt.

MOSAIK hilft nicht mit Geld, sondern mit Orientierung. Die Beraterinnen vernetzen, klären Ansprüche und begleiten durch ein oft komplexes System. Gerade für Familien mit wenig Zeit oder Ressourcen ist das eine spürbare Entlastung. Gleichzeitig stärkt das Projekt Eltern in ihrer Selbstwirksamkeit und sensibilisiert Einrichtungen für armutssensible Pädagogik.

Die dreifache Mutter wurde an die Sozialberatung weitervermittelt, sowie an andere Stellen, die zu den rechtlichen Aspekten von Unterhaltszahlungen beraten. Und was das Team besonders freute: Die Mutter, die seit der Trennung von ihrem Mann zurückgezogen lebte, lernte beim von MOSAIK organisierten Elterncafé eine andere Mutter kennen, mit der sie sich einen gemeinsamen Spielplatz-Termin vereinbarte.

Eine Brücke zwischen den Systemen

Damit schließt MOSAIK eine entscheidende Lücke: Während es für ganz junge Kinder die Frühen Hilfen und später Schulsozialarbeit gibt, fehlt ein Angebot für die Altersgruppe von drei bis sechs Jahren. Eine Phase, in der frühe Unterstützung besonders wirksam wäre. „Die Schulsozialarbeit greift für diese Altersgruppe zu spät“, meint Lackner. „Zu diesem Zeitpunkt haben sich Problemlagen oft schon verfestigt, die Kinder wurden bereits in Hinblick auf ihre Schulleistung eingestuft.“

In zwei Jahren erreichte das Team rund 900 Kinder und ihre Familien. Noch läuft das Projekt – bis zum Sommer. Dann endet die Befristung.

Theresa Lackner weiß, dass das Projekt eigentlich flächendeckend ausgerollt gehört. Der niederschwellige Zugang ist essenziell. Andernfalls sind die Hürden groß: sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht, im Familienalltag die Zeit zu finden, zur Sozialberatung zu gehen, überhaupt zu wissen, wer im System zuständig ist und helfen kann. Stattdessen muss die Projektleiterin aktuell nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen, damit MOSAIK nicht komplett eingestellt wird. Denn was damit verloren geht, ist mehr als ein Angebot: Es ist ein Zugang, der Familien früh stärkt, bevor Probleme eskalieren. 

Eine Frage der Priorität

„Man muss sich bewusst sein, welche Folgekosten es hat, wenn Kinderarmut nicht früh verhindert wird“, ist Lackner überzeugt. „Finanzielle Ängste und Jobverlust machen etwas mit einer Familie. Die Kinder spüren das. Niemand bleibt davon unbeeinflusst.“ Daher brauche es treffsichere Maßnahmen zur Armutsbekämpfung. „Am Ende bleibt die Frage: Ist es eine politische Priorität, auf junge Familien zu schauen - oder nicht?“

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