Über Jahrzehnte war das „Junge Wohnen – Guter Hirte“ mehr als ein Schüler*innenheim: ein Ort des Ankommens, Wachsens und Miteinanders. Mit dem Ende des Betriebs geht eine besondere Geschichte zu Ende. Ein Rückblick von Leiter Walter Köck.
Was hat das Haus besonders gemacht?
Köck: „Bei uns wurde Gemeinschaft gelebt. Eine familiäre Atmosphäre, in der alle per Du waren – respektvoll und auf Augenhöhe. Die Jugendlichen haben hier nicht nur gewohnt. Unser pädagogisches Team setzte regelmäßig Freizeitangebote. Es gibt einen Fitnessraum, Turnsaal sowie Musikproberäume und wöchentliche Motto-Abende wie Pizza-Backen.“
Was bewirkt diese Pädagogik?
Köck: „Sie schafft Verbindung. Früher organisierten die Bewohner*innen oft noch zusätzlich Aktivitäten: Fußball, Kino. Am Wochenende gingen sie miteinander wandern oder Schifahren.
Heute muss Gemeinschaft oft bewusst gestaltet werden, weil die Sozialstruktur sich zum individuellen Freizeitkonsum gewandelt hat.
Dem heißt es permanent entgegenzuarbeiten, damit im echten Leben Begegnung erlebbar wird. Unser Anspruch war immer, auf der Höhe der Zeit zu bleiben und trotzdem die persönliche Atmosphäre im Haus zu wahren und Gemeinschaftssinn zu stiften.“
Worauf bist du besonders stolz?
Köck: „Wir haben vielen Jugendlichen ein ‚Zuhause‘ gegeben. Nicht alle hatten einen guten Start im Leben. Bei uns bekamen sie das Gefühl, gehört und gesehen zu werden. Im Zwischenraum von Halt erfahren, Freiheit genießen und Regeln beachten konnte sich ihre Persönlichkeit entwickeln. Man kann sich in der Gemeinschaft erproben und auch wieder ins eigene Zimmer zurückziehen.“
Was zeichnet das Team aus?
Köck: „Das Miteinander, über den Tellerrand zu schauen und sich gegenseitig zu unterstützen. Die fünf Bereiche – Pädagogik, Verwaltung, Küche, Reinigung und Haustechnik – greifen ineinander. Man darf nicht unterschätzen, was eine Reinigungsdame rein durch den niederschwelligen Kontakt im Alltag mit den Jugendlichen bewirken kann.“
Wie erlebst du diese letzte Phase des Hauses?
Köck: „Zum Teil als schwierig. Die Betriebsführung muss bis zum Schulende gewährleistet sein. Dass das gesamte Team bis zum Schluss mitgeht, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.
Ein großes Anliegen ist mir, dass alle Mitarbeiter*innen eine neue Perspektive bekommen. Dank der großen Organisation, die als Caritas dahinter steht, gelingt das auch: Wir konnten bereits einige intern weitervermitteln und ihnen einen weiteren Arbeitsplatz garantieren.“
Wenn du an die vielen Jugendlichen denkst, die hier gewohnt haben: Was hoffst du, haben sie aus dieser Zeit für ihr Leben mitgenommen?
Köck: „Ein angenehmes Miteinander, eine Haltung der Akzeptanz und Wertschätzung für die Verschiedenheit von Menschen. Selbstständigkeit und Kompromissfähigkeit. Und vor allem: Ein ‚Wir‘.“